Lesezeit: 3:30 Minuten (hab Musik währenddessen gehört)
Wortzahl: 890
Gefühl, das ich transportieren möchte:
- Angekratztheit, überhebliches gebashe und moralischer High-Ground, Genugtuung
Gefühl was ich beim Schreiben hatte:
- entlastend, Scham das ich ein Playboytext angreife, Wut gegen Ignoranz, Trauer das ich wieder Energie in Sachen stecke die mir nichts bringen.
Gefühl was ich beim erneut lesen hatte:
- Das Gefühl was ich bekomme, beim Lesen ist diffus. Ich habe klar versucht Witz und Charme unterzubringen vielleicht etwas zu getrieben und ohne roten Faden.
Disclaimer: Dieser Text habe ich im Sommer 2024 in einem Playboy entdeckt. Worauf ich nicht gerade stolz bin. Es folgt eine grobe Zusammenfassung des vorliegenden Textes.
Akt 1: Prelude
Als Droste-Anfänger (Philip Wolff, 52) entpuppt sich der Autor schon gleich am Anfang und schreibt sich wie ein Schmetterling in die elektrische Fliegenklatsche.
Öffnet er allerdings noch das große Fass von Moral und Politik und stellt eine steile These auf, dass diese Dinge nichts miteinander zu tun hätten oder haben sollten.
Wettert gegen Bioläden und alternative Lebensweisen während er „politische Alternativen“ in den Schutz nimmt: „ ...,das gern als Demokratiefeindlichkeit abgestraft wird. Dabei wäre die Frage zu stellen: Wer hat denn angefangen mit der Intoleranz, die wir angeblich nicht tolerieren dürfen?“
Nun verwirrt sich nun selbst in dem er den Begriff „Gerechtigkeit“ als „zutiefst“ moralisch beschreibt und wird dann selbst moralisch.
Verantwortung verflogen
Guten Tag Herr Wolff,
den Boomer-Rang kann ich Ihnen leider nicht mehr ablaufen. Auch wenn ich faktisch: männlich, weiß, leicht gereizt, privilegiert und Neu-“Leser“ des Playboys bin, nur das Alter passt nicht und der Fakt, dass ich nicht wusste das Flugscham seit 4 Jahren im Duden steht. Aber wie beim Boomerang: „Zurück zum Text!“
Sie reden viel vom Verstand, ist der Ihrige noch so wie in Ihren 25ern? Ich hoffe nicht das sie so konserviert in der Birne sind. Eine Konservendose ist wie eine Zeitkapsel wenn man sie nicht öffnet. So ist es auch im Gehirn. Da sie diesen Text geschrieben haben, gehe ich davon aus das sie an Ihre mentalen Konservendosen gehen und sich gut bedienen könnten, auch wenn sie faktisch nur allseits bekannt Ressentiments runter beten:
Was sind den „archaischen Gesellschaften“, „unbeschwerte Inselvölkchen“, „denkfaule Seite der Gesellschaft“ oder ein „moderesistenter Verstand“, was soll eine „neuen Natur-Religion“ bedeuten?
Während Sie sich lässig, cool wie eine Sonnenbrille fühlen, verhalten Sie sich auch wie eine, Sie polarisieren.
So viel zu "sich-nicht-radikalisieren-lassen". Dieser Vorsatz gilt anscheinend nicht für Sie als Autor.
Droste hat übrigens gegen alle ausgeteilt, ob mit der Linken oder der Rechten gegen Rechte oder Linke. Kopfnüsse waren sicherlich auch welche dabei.
Das war ja sein Charme! Droste würde im Grab zum Upper-Cut ausholen wenn er Ihren Text lesen könnte.
Sie würden also gerne wegfliegen von den Bioläden? Wo fliegen Sie denn hin? Mars? Probleme verursacht man nicht nur beim Fliegen. Aber das klickt nun mal nicht deshalb taucht es auch nicht in Ihrem Text auf.
Wenn ich Ihren Text so lese fällt mir ein guter Satz von Spektrum ein, in diesem es von Weltraumschrott ging, was man auch auf Textschrott gut übertragen könnte, denn auch dieser trifft unschuldige Menschen die am Boden Ihre Arbeit machen, während irgendwelche Autoren in Ihren 747 fast im Formationsflug über die kleinlichen Probleme wie den Klimawandel schwadronieren.
Hier das Zitat: „Solange das Richtige zu tun, freiwillig ist, wird es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht getan.“
Sie meinen das Richtige ist Moral? Das ist auf mehreren Ebenen falsch, aber da ich besseres zu tun habe und sie wahrscheinlich „nur“ 30 Tage Urlaub mit Platz für zwei Bücher, lassen wir die Philosophie-Stunde sein.
Der Verstand ist im Wandel. Genau wie die Vernunft, oder schauen sie Forest Gump jedes Jahr aufs Neue mit den gleichen Gefühlen und Eindrücken? (hoffe nicht).
Genau wie das Klima sich gerade massiv wandelt, wandeln sich auch unsere Gesellschaften, um die ganze Erde. Aber dieser Wandel ist nicht bezos- oder gottgegeben, er ist menschengemacht!
Genau wie sie Ihren Text in die Welt heraus emittieren wie so ein Kohlekraftwerk. Ich wünschte das alles mit dem Klimawandel wäre ein Missverständnis und 99% der Wissenschaft einfach Müll.
Alles könnte so einfach sein, isses aber nicht.
Um bei den Missverständnissen zu bleiben. Sie nennen das Waldsterben ein „Missverständnis“, sehr witzig eigentlich. Ich sag auch immer wenn ich mal Glück hatte, dass es ein Missverständnis gewesen sein muss.
Sie nölen herum und begeben sich in die Opferrolle. Obwohl es doch gerade darum geht das richtige Maß zu finden. Unsere Ressourcen auf diesem Planeten sind endlich und wenn Sie sich nur von Steak ernähren ist merkt man das auch am eigenen Körper.
Es folgt der einzig sinnvolle Satz aus Ihrer Feder:
„Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ob beim Fliegen, beim Fleischverzehr, beim Große-Autos-Fahren, beim Häuserheizen – die politische Notwendigkeit, et was gegen den menschengemachten Klimawandel zu unternehmen, ist riesig.“
Wer hat diesen Satz in Ihrem Text haben wollen? Wirklich wo kommt der her, der passt so gar nicht rein. Doch direkt danach folgt der geistige Strömungsabriss: „Doch anstelle vernünftiger Sachpolitik…“ kommen sie mit dem Zeigefinger auf die Politiker. Meine Frage bleibt, was ist für sie vernünftig? Sie klingen wie jemand der mit allen Wassern gewaschen wurde, ohne selbst nass zu werden!
Warum dann nicht ausloten was man braucht und was nicht? Wie gesagt fliegen ist im Urlaub sogar meiner Meinung nach das kleinere Übel der Caipirinha wächst nicht auf Bäumen. Und die ganze Scheiße muss auch irgendwohin, vielleicht nicht in den Playboy, aber dennoch sind viele Urlaubsgebiete am Limit.
Wie in Frankreich:
„Das Naturerbe gehört natürlich allen Menschen, aber es braucht einen Rahmen, man muss das richtige Maß finden, damit alle etwas von dieser Steilküste haben und wir keine zu großen Besuchermassen haben.“
- Zweckverband „Falaises d´Etretat-Cote d´Albatre
Es geht hier um vernünftig sein und nicht ungezügelt seinen Bedürfnissen folgen, aber das hat Ihre Konservenbirne anscheinend verdreht.
Vielleicht kann ich ja Ihr Dosenöffner sein.
Oder es in den Worten einer Größe ihrer Generation zu sagen:
„Please get out of the new one if you can’t lend your hand for the times they’re a changing.“
Vielen Dank fürs Lesen!